SWR-Bestenliste im März: Ian McEwan neu auf Platz eins

1. IAN McEWAN: Kindeswohl

(67 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 5)

Roman. Aus dem Englischen von Werner Schmitz.
Diogenes Verlag, 224 Seiten, € 21,90
Leichtere Lektüre

Die Richterin Fiona Maye. Ihre Ehe ist am Boden. Und dann kommt der Fall dieses jungen Zeugen Jehovas: Darf er mit 17 über sein Leben entscheiden und eine Bluttransfusion einfach ablehnen? Darf sie über sein Leben entscheiden und die Transfusion erzwingen? Es geht ums Überleben oder um die Würde der freien Entscheidung.

 

2.  STEFANO D’ARRIGO: Horcynus Orca

(55 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 2)

Roman. Aus dem Italienischen von Moshe Kahn.
S. Fischer Verlag, 1.471 Seiten, € 58,00
Schwierigere Lektüre

Als das Buch vor 40 Jahren in Italien erschien, stand es für elf Jahre auf der Bestsellerliste. Es  wurde ehrfürchtig beraunt als Antwort Italiens auf den “Ulysses” genauso wie auf Melvilles “Moby Dick”. Lange galt es als  unübersetzbar. Fünf Tage einer Reise von Neapel nach Sizilien im Oktober 1943, am Ende des Zweiten Weltkriegs. “Es wäre nicht richtig, oder besser gesagt: Es wäre falsch, fahrlässig, kleinmütig, schwerhörig, blindäugig und unangemessen, über dieses Buch ohne eine gehörige Prise Pathos sprechen zu wollen: Was für ein Werk, was für eine Entdeckung!” (Hubert Spiegel)

 

3. NORBERT  SCHEUER: Die Sprache der Vögel

(51 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 3)

Roman. C.H. Beck Verlag, 238 Seiten, € 19,90
Mittelschwere Lektüre

Ein Soldat aus der Eifel, stationiert in Afghanistan. Einer seiner Vorfahren war als Vogelkundler hier – er tritt in seine Spuren. “Ich glaube nicht, dass Vögel allein zum Zweck der Fortpflanzung singen. Irgendetwas existiert im Leben, das mehr ist als wir selbst und für das es keine Sprache gibt. Vielleicht liegt darin der Grund, dass Vögel singen.”

 

4. URSULA  ACKRILL: Zeiden, im Januar

(48 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 8)

Roman. Verlag Klaus Wagenbach, 256 Seiten, € 19,90
Mittelschwere Lektüre

Leontine Philippi schweigt. Aber sie schreibt die Stadtchronik von Zeiden, mitten im Kriegswinter 1941, als der Krieg näher kommt und die Rumäniendeutschen auf einmal von den Deutschen wirklich gewollt sind  – als Soldaten nämlich.
Ursula Ackrill wurde in Siebenbürgen geboren, studierte Germanistik und Theologie in Bukarest und lebt heute als Bibliothekarin und Schriftstellerin in Nottingham.

 

5. ARNO GEIGER: Selbstporträt mit Flusspferd

(45 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 5)

Roman. Hanser Verlag, 288 Seiten, € 19,90
Leichtere Lektüre

“Arno Geiger hat einen unterhaltsamen, auch leicht lesbaren (Anti-)Bildungsroman verfasst, der gleichzeitig so genau und aktuell wie kaum ein anderer in diesem Frühjahr den Zeitnerv trifft. Denn die Gemütslage des 22-jährigen Julian, sein Zukunftsnebel, sein Dazwischenhängen, seine ruhelose Lethargie enthalten eine Wahrheit, an deren allgemeiner Gültigkeit der Leser nicht vorbeikommt.” (Ursula März)

 

6. MICHAEL WILDENHAIN: Das Lächeln der Alligatoren

(38 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 6)

Roman. Klett-Cotta Verlag, 242 Seiten, € 19,95
Mittelschwere Lektüre

Erst ist es das “Lachen der Alligatoren”. Dann das “Bellen der Alligatoren”. Michael Wildenhain erzählt von Marta und Matthias, von einer Liebe in Zeiten der RAF: “Wenn sie mich entdeckt, bin ich verloren”.

 

7. MILAN KUNDERA: Das Fest der Bedeutungslosigkeit

(37 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 7)

Roman. Aus dem Französischen von Uli Aumüller.
Hanser Verlag, 144 Seiten, € 16,90
Mittelschwere Lektüre

“Alle sind sie auf der Suche nach der guten Laune”. Nach vielen Jahren ein neues Buch des 85-jährigen Autors von “Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins”. Früher war das Überleben in den totalitären Regimen des Ostblocks sein Thema – jetzt beginnt Kundera mit einer Nabelschau und feiert in seinem Alterswerk die Bedeutungslosigkeit als Schlüssel zur Weisheit und – eben – guter Laune.

 

8. MICHEL HOUELLEBECQ: Unterwerfung

(34 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 1)

Roman. Aus dem Französischen von Norma Cassau und Bernd Wilczek. DuMont Buchverlag, 272 Seiten, € 22,99
Mittelschwere Lektüre

Paris als islamische Republik – ein gewagtes Denkspiel. Aber doch nur ein Buch. Dachte man. Es ist nach den Anschlägen von Paris plötzlich viel mehr daraus geworden. Und Michel Houellebecq, der Autor der philosophischen Groteske in grotesken Zeiten, bringt es mit seinem Roman auf die Titelseiten und in die Fernsehnachrichten.

 

9. TEJU COLE: Jeder Tag gehört dem Dieb

(30 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 9)

Roman. Aus dem Englischen von Christine Richter-Nilsson.
Hanser Berlin Verlag, 176 Seiten, € 18,90
Mittelschwere Lektüre

Das nigerianische Lagos: Korrupt, gewalttätig und sehr lebendig, eine Megacity auf einem Kontinent, der lange als schlafender Riese wahrgenommen wurde. Teju Cole, Amerikaner nigerianischer Abstammung, schrieb über seinen Aufenthalt dort  einen Blog – In Nigeria erschienen die Texte erstmals 2007 als Buch, noch vor seinem großen Romanerfolg “Open City”. “Flüchtig wie ein Bild, das mit weit offener Blende aufgenommen wurde”.

 

10.-12. DANILO KIŠ: Familienzirkus. Die großen Romane und Erzählungen

(25 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 9)

Übersetzt von Ivan Ivanji, Anton Hamm, Katharina Wolf-Grießhaber und Ilma Rakusa.
Carl Hanser Verlag, 912 Seiten, € 34,90
Mittelschwere Lektüre

Eine seltsame Sprache, eine seltsame Zeit. Vor 25 Jahren starb der jugoslawische Dichter Danilo Kiš. Bildreich und sinnlich führt er ein in die Welt des untergegangenen Jugoslawien. “Hast du Max Ahasverus gesehen?” platzte er heraus, so wie eine reife Pflaume in den Schlamm fällt. “Ja, Eduard, ja. Ich habe ihn gesehen. Er bot mir Schwanenflaum an. Madame, reiner Schwanenflaum gefällig?”

 

10.-12. ÉDOUARD LOUIS: Das Ende von Eddy

(25 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 10.-12.)

Roman. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel.
S. Fischer Verlag, 206 Seiten, € 18,99
Leichtere Lektüre

“Schau mal, das ist Bellegueule, der Schwuli.” Der Autor, vom Protagonisten kaum zu trennen, hat darauf bestanden, dass sein Lebensbericht als “Roman” bezeichnet wird – wenn es doch nur einer wäre! So aber ist es die authentische Chronik einer unerträglichen Kindheit und Jugend. Und ein Überraschungserfolg in Frankreich. Der Autor ist gerade mal 22 Jahre alt.

 

10.-12. LYDIA TSCHUKOWSKAJA: Untertauchen

(25 Punkte, Platzierung vergangener Monat: 10.-12.)

Roman. Aus dem Russischen von Swetlana Geier.
Dörlemann Verlag, 256 Seiten, € 18,90
Mittelschwere Lektüre

Ein Klassiker der oppositionellen russischen Samisdat-Literatur. Die Autorin gehörte zum Umfeld der Dichterin Anna Achmatowa und setzte sich später unter anderem  für Alexander Solschenizyn ein. Ihr Mann verschwand 1937 im stalinistischen Terror: “Ich lebe. Das ist es. Ich lebe, ich lebe immer noch, obwohl man ihn mit Knüppeln ins Wasser getrieben hat. Er kam für einen Augenblick, um mir das vorzuwerfen.”

 

Weiterführender Link:

Die SWR-Bestenliste im März

Waburek