Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse stehen fest

Die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse unter der Leitung von Hubert Winkels hat entschieden: Jan Wagner, Philipp Ther und Mirjam Pressler lauten die Preisträger 2015 in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Insgesamt 115 Verlage hatten 405 Werke in den Wettbewerb 2015 geschickt.

Die Jury lobte Jan Wagners Gedichtband „Regentonnenvariationen“. Seine Gedichte seien anschaulich, spezifisch, von zurückhaltender Intelligenz. „Flora, Fauna und menschliche Debakel“, so die Begründung der Jury, „nimmt er freundlich in den Blick, ohne allzu viel Aufhebens um seine Wahrnehmungsfähigkeit zu machen. Klassische Formen wie die Ode oder das Sonett verwendet Jan Wagner ganz unauffällig, in meist reimlosen Versen, deutlich rhythmisiert und oft mit erzählerischem Schwung.“

In der Kategorie Sachbuch/Essayistik erhielt Philipp Ther den begehrten Preis für „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa“. Zu den Vorzügen des Buches zählt die Jury, „dass es unterschiedlichste Genres in einem Band vereint. Es ist ein Wirtschaftspolitikideengeschichtsbuch, mit reportierenden Einsprengseln, unter besonderer Berücksichtigung der eigenen Erinnerung.“

In der Kategorie Übersetzung durfte sich Mirjam Pressler über den Preis der Leipziger Buchmesse freuen. Sie konnte im Wettbewerb mit ihrer Übertragung des Romans „Judas“ vom Amos Oz ins Deutsche überzeugen. Die Jury: „Bei ihr klingen die Szenen so leicht, so selbstverständlich – wie dieser ganze Roman im Klang immer auch etwas Leichtes, manchmal erfrischend Altmodisches, stets Lebendiges hat.“ Diese Szenen seien in der Übersetzung wie der ganze Roman unter anderem deshalb so gelungen, weil hier nichts nach Übersetzung klingt. Keine Spur des Hebräischen halle hier nach. Zugleich habe Mirjam Pressler einen Ton gefunden, der sowohl das Kammerspielartige dieses Romans transportiere wie die großen Geschichten, die in ihm stecken.

Der mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben und ehrt herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung.

Der Journalist und Literaturkritiker Hubert Winkels hat zum dritten, und damit turnusgemäß letzten Mal den Vorsitz der Fachjury inne. Neben ihm bewerten Lothar Müller, Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung; René Aguigah, Abteilungsleiter Kultur und Gesellschaft beim Deutschlandradio Kultur; Daniela Strigl, Literaturwissenschaftlerin an der Universität Wien; Dirk Knipphals, Literaturredakteur der taz und Sandra Kegel, Redakteurin im Ressort Literatur und Literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitungen. Als neues Jurymitglied konnte Meike Feßmann, Literaturkritikerin und Essayistin vor allem für die Süddeutsche Zeitung und den Tagesspiegel sowie für das Deutschlandradio Kultur und den Deutschlandfunk, gewonnen werden.

Der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig unterstützen den Preis der Leipziger Buchmesse. Partner des Preises ist das Literarische Colloquium Berlin (LCB), Medienpartner sind die Magazine buchjournal und Cicero sowie Deutschlandradio Kultur.

 

Weiterführende Links:

Spiegel online: Literatur und Literaturkritik: Weg mit all den Weidenkätzchen (Kolumne von Georg Diez)

Die Zeit: Der Dichter auf verlorenem Posten

 

Hubert Winkels,  Journalist und Literaturkritiker, bei der Vergabe des Preises der Leipziger Buchmesse. Foto: Messe Leipzig

Leipziger Buchmesse, Preis, Hubert Winkels, Ronny Waburek

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